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Coraline
Review
Von AngelCaido am 29.12.2009 um 08:42:47 Uhr für ps3insider.de
Alle Jahre wieder, so dürfte es mittlerweile für viele Tradition geworden sein, läutet der etwas andere Weihnachtsfilm „Nightmare before Christmas“ seit Jahren auf seine eigene bezaubernde Weise die Weihnachtszeit ein. Nun ist das jüngste Stop-Motion-(Hand-)Werk vom selbigen Regisseur Henry Selick auf DVD und Bluray erschienen. Nahe liegt nun die Frage, ob es ihm mit Coraline erneut gelungen ist, einen Kultfilm zu schaffen.
Handlung
Die dreiköpfige Familie Jones hat den Bundesstaat Michigan hinter sich gelassen und ein Apartment im „Rosa Palast“, ein großes Mehrfamilienhaus, irgendwo im Nirgendwo bezogen. Weit weg von ihren Freunden wird die kleine Coraline von Langeweile geplagt und die Lage bessert sich nicht, als sie ihre Mutter fragt, ob sie bei strömendem Regen in den bislang tristen Garten gehen darf. Ihre Mutter arbeitet an ihrem neuesten Werk, ein weiteres Buch über Pflanzen und lehnt die Bitte ihrer Tochter genervt ab. So sucht Coraline ihren Vater, der einen besonders schrulligen Eindruck macht, in seinem Arbeitszimmer auf, der ebenso wie ihre Mutter in seiner Arbeit als Autor vertieft ist. Damit seine Tochter ihn nicht länger von seiner Arbeit abhält, schickt er sie mit dem Vorschlag los, das neue Haus in Augenschein zu nehmen, um vielleicht dieses und jenes zu entdecken.

Gesagt, getan und so stößt die kleine Coraline nach kurzer Zeit im Wohnzimmer auf eine versteckte kleine Tür, die sich hinter einer Tapete abzeichnet und ein Schlüsselloch erahnen lässt. Mit viel Gequengel bewegt sie schließlich ihre Mutter dazu, den Schlüssel für die geheime Tür zu finden und sie zu öffnen. Leider gibt es nicht viel hinter ihr zu entdecken, denn schnell wird Coraline enttäuscht, als sie feststellen muss, dass die Wand hinter der Tür zugemauert wurde. So vergeht der Tag und der Abend bricht herein, an dem der Vater seiner kleinen Familie einen optisch nicht besonders delikaten Auflauf auftischt, von dem Coraline keinen Bissen herunter bekommt. Hungrig geht sie ins Bett und wird wenig später von Mäusen aus dem Schlaf gerissen, die sie zur geheimen Tür im Wohnzimmer lotsen. Dort angekommen überrascht sie statt der massiven Backsteinmauer ein mysteriöser Tunnel, der stark an Alice in Wunderland erinnert, sie aber nicht im Fall sondern ebenerdig in eine Parallelwelt führt.

Eine Welt, in der alles perfekt scheint, in der Coralines „Anderen Eltern“, wie sie sich selbst nennen, ihre Tochter mit aller Liebe empfangen, ihr ein schmackhaftes Festmahl zubereiten, sie regelrecht verwöhnen und so jedes Misstrauen über die Tatsache, dass sie anstelle von Augen nur schwarze Knöpfe haben, vergessen lassen. Ein perfekter Abend, an dem Coraline ihre Eltern so erlebt, wie sie ihre Eltern gerne hätte und sogar in der geheimnisvollen Parallelwelt von ihnen zu Bett gebracht wird. Als Coraline dann am nächsten Morgen in ihrem Bett in der richtigen Welt aufwacht, fragt sie sich, ob es nun ein Traum war oder ihre „Anderen Eltern“ tatsächlich existieren...

Coraline ist ein modernes Märchen mit der einfachen Moral, dass man die Realität manchmal zu schätzen lernen sollte und im Leben nicht alles perfekt ist. Schade, dass der Film das Potenzial seiner interessanten Handlung nicht voll umsetzt. Zu langsam ist teils das Erzähltempo im Hauptteil des Films, zu schnell wird der Showdown abgehandelt, zu wenig charmant sind die verschiedenen Charaktere, die vom Zuschauer kaum oder nur schwer ins Herz geschlossen werden. Ebenso schafft es der Film nicht wirklich, eine klare Zielgruppe anzusprechen. Für jüngere Kinder ist Coraline trotz FSK-Freigabe ab 6 Jahren aufgrund mancher Wortwahl und -spielereien als auch einiger düsterer Momente ungeeignet. Für Jugendliche und Erwachsene bietet der Film eine schnell durchschaubare Handlung und vor allem zu wenig Spannung. So dürfte sich der Film hauptsächlich an Kinder ab 12 Jahre richten. Noch bedauerlicher ist die schwächelnde Erzählweise in Anbetracht der wunderschön inszenierten Optik und der tollen Soundkulisse.
Bild
Im Zeitalter der computeranimierten Trickfilme ist Coraline durch seine meisterhafte Stop-Motion-Technik eine optisch erfrischende und wirklich fabelhafte Abwechslung. 24 Bilder füllen mit wiederum 20 Bewegungen (z.B. Hände, Arme, Beine, Kopf) eine Sekunde. Knochenarbeit also, mit der Leben in die Silikon-Marionetten eingehaucht und eine traumhafte Kulisse mit phantastischen Look und seiner wunderschön anzusehenden Detailverliebtheit erschaffen wurde. Schade, dass die Handlung nicht ähnlich bezaubert wie die stimmungsvolle Optik des Films, die über jeden Zweifel erhaben ist. Das Bild ist gestochen scharf und die Farben satt.
Sound
Tolle Umgebungsgeräusche erschaffen im Zusammenspiel mit der Stop-Motion-Technik eine lebendig wirkende Welt. Untermalt vom schönen Soundtrack versteht Coraline trotz schwächelnder Handlung, eine teils tolle Atmosphäre zu erzeugen. Einzig schade ist, mit Ausnahme der englischen Tonspur (DTS-HD 5.1), dass sämtliche anderen Sprachen (Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch) im gewöhnlichen Dolby Digital 5.1-Format vorliegen.
Ausstattung
Neben dem Hauptfilm, der wahlweise mit 2 beiliegenden 3D-Brillen in 3D genossen werden kann, bietet die Bluray interessantes Bonusmaterial. Da wären vom Regisseur kommentierte Szenen, die den Weg nicht in die Endversion des Films gefunden haben. Ein Interview mit allen Originalsprechern, ein sehr umfangreiches Making-of, das Schritt für Schritt Informationen über die Entstehung der Handlung, die Inspiration beim Charakterdesign bis hin zum finalen Schnitt erläutert. Besonders interessant sind die Ideen, wie Effekte wie Feuer und Nebel per Einsatz von Computern nachträglich in den sonst ausschließlich per Handarbeit entstandenen Film eingearbeitet wurden.
Fazit
Visuell ein Highlight, dennoch ist Coraline mit seiner inhaltlich unklaren Zielgruppe leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Für Familienunterhaltung der seichten Art taugt der Film allemal, solange nicht allzu junge Zuschauer am Fernsehspaß teilnehmen. Wenn jemand mehr Wert auf eine fordernde Handlung, mehr Spannung und damit eine dichtere Atmosphäre legt, sollte sich den Film vor dem Kauf erst einmal ausleihen. Ich hätte es mal tun sollen, denn für mich ist der Film mit seinen 20 Euro aufwärts deutlich zu teuer.
Wertung
Bild:
10.0
Stop-Motion in Perfektion! Das Bild ist fantastisch.
Sound:
9.0
Tolle Soundkulisse und ebenso überzeugender Soundtrack. Leider liegt die deutsche Tonspur
Ausstattung:
9.0
Der Film ist üppig mit vielen Informationen rund um den Film Coraline ausgestattet, der vor allem auf die angewandte Technik eingeht. Toll!
Gesamt:
9.3
"Die durchschnittliche Handlung reißt das visuelle Feuerwerk herunter und droht aus ihm einen Blindgänger zu machen."
Bronze Award
Silber Award
Award
Bludiamond Award
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Details zur Blu-Ray
Coraline
Genre:
Trickfilm
Release:
TBA
Verleih:
Universal
Laufzeit:
100 Min.
FSK 6
FSK 6
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Film-Kritiken
"Mit technischer Perfektion zaubert Regisseur Henry Selick ein optisch beeindruckendes Märchen auf den Fernseher, kann allerdings inhaltlich leider nicht ebenso überzeugen."
AngelCaido - ps3insider.de
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